Chat Linder schreibt

 Maren Reblins Kaltnadelradierungen entführt einen in eine entfernte Welt.Zwar handelt es sich um Darstellungen des Alltags, doch die Art ihres Striches zusammen mit der spezifischen Technik schaffen Distanz zum Geschehen, die man vielleicht als literarisch bezeichnen könnte.Reblin stellt uns Szenen vor und diese Szenen erzählen, jede für sich.Mit sicherer und schneller Hand lässt sie Figuren auf- und abtreten wie auf einer Theaterbühne, denn ihre Figuren sind voller Leben.

Sie zeigt sie in exponierten Posen, wie die Geigerin oder eine Emma, die tanzt (1). Es darf sich dabei aber auch um einen Stier handeln oder andere Tiere, deren Form sie von verschiedenen Seiten einfängt (2). An anderer Stelle sind die Figuren Teil einer Gesellschaft oder eine Runde im Gasthaus (3). Mit diesen Kompositionen gelingt es ihr, den Charakter verschiedener Millieus auf den Punkt zu bringen (4).

Ihr Strich ist sehr frei, bestimmt und oft mutig gesetzt, ohne ins explizit Expressionistische abzurutschen.Besonders intensiv wirken auch ihre Frauenporträts, die jeweils einen bestimmten Typus vorstellen.Hier wählt sie unerschrocken zwischen Akten (5) oder der Inszenierung eines Gesichtes (6).Alle Zeichnungen sind Narrative, die wie Illustrationen zu Texten wirken, die noch darauf warten geschrieben zu werden.

Der Roman Atemschaukel der Nobelpreisträgerin Herta Müller hat mit Maren Reblin seine passende Illustratorin gefunden.In den Arbeiten, die von diesem Roman inspiriert wurden, folgen die Bilder den Motiven entsprechend einer tatsächlich expressionistischen Formensprache.Unverblümt drastisch sprechen sie zu uns von Hunger und Verzweiflung, von Gewalt und Ohnmacht.

In der Behandlung von Landschaftsmotiven beweist sie sowohl bei der Kaltnadelradierung (7) als auch in ihren Arbeiten auf Leinwand mit Acryl eine souveräne Beherrschung der Flächen (8).Mit der Rohrfeder und der anschließenden Kolorierung mit Aquarellfarben gelingen ihr gleichsam im Vorübergehen fotografische Blicke, die die Foto-Kamera überflüssig machen (9).Diese Techniken, die man heute gerne mit den 50er-Jahre verbindet, ist in unserer von digitalen Bildern überschwemmten Umwelt ein Genuss. Weil solche Zeichnungen Raum lassen für genau das Leben, das Maren Reblin in ihren anderen Bildern unter die Lupe nimmt, weil sie beseelt sind und uns von schönen Orten träumen lassen, wofür diese wohl erst erschaffen wurden. Erstaunlicherweise sind sie ein Kontrapunkt gegen die Oberflächlichkeit der bis ins Unendliche auflösbaren Oberfläche. Wo Bilder mehr und mehr Informationen (Pixel) liefern, verschwindet das Leben, so lehrt uns die Künstlerin im Umkehrschluss.Das Leben entsteht dort, wo Raum gelassen wird für die Fantasie.In all ihren Bildern nimmt sie uns mit an diesen Ort, und dafür sind wir ihr sehr dankbar.

Marens Reblin Mutter wurde durch den II. Weltkrieg auf einem Dorf in Mecklenburg zu einer alleinerziehenden Mutter mit 5 Kindern.Die Frauenfiguren in den Darstellungen der Künstlerin-Tochter zeugen von einem ausgeprägten Verständnis der unterschiedlichsten Dinge, die das weibliche Geschlecht umtreiben, die es interessieren und zur Verzweiflung bringen können.Ihre Herangehensweise bleibt dabei immer poetisch.Frauen, und das ist das aufklärische Wertvolle an ihren Bildern und was leider bis heute nicht obsolet geworden ist erwähnt zu werden, sind alle anders.Wenn ihre Arbeiten über eine naturalistische Darstellung hinausgehen, werden sie am stärksten.Die kritische Gedankenwelt der Skeptikerin manifestiert sich neben den hochgezogenen Augenbrauen zum Beispiel im ausladend glatten Haar, wie auch die Verwirrung der Schönen oder seien es Verwirrungen, die sie selbst auslösen mag, sich in einem Haar widerspiegeln, das sich wie ein Schleier um sich selbst legt.Mit einer leichten Verschiebung der natürlichen Proportionen und einer "ägyptischen" Dichte im Haargefüge erhält in einem anderen Porträt das mit wenigen Strichen angedeutete Gesicht einen schwergewichtigenstrengen Kontrapunkt ( 10 ).

Das Talent der Künstlerin war immer offensichtlich, aber auch ihr tiefes soziales Anliegen.Mit 13 Jahren porträtiert sie einen Mann aus dem Dorf, der heute noch zwischen ihren Grafiken Bestand hat.Ihr " Kallefix  ist quasi der ersten einer kleinen Schar, die von Maren Reblins Hand geschaffen wurden.Chat

Ausstellungen

Seit 1980 Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligung in Deutschland, Polen, Italien, USA und Brasilien

 

EINZELAUSSTELLUNGEN ( ausgewählt)

2017  Kleine Kostbarkeiten in Öl in der Kunsthalle Wittenhagen, 17258 Feldberger Seenlandschaft


2016     "Kaltnadelradierungen und farbige Arbeiten auf Karton"

               Kunsthalle Wittenhagen, 17258 Feldberger Seenlandschaft

2015      "Malerei und Grafik"

               Frauenzentrum Paula Panke in Berlin- Pankow

2014      "Sonntag früh"

               Arkaden Galerie in Bad Neustadt

2013      "AKTE"

              Hotel Chorin in Chorin

2011      "Leute von heute und wo sie gestern waren"

              Maria-Magdalenen-Kirche in Eberswalde

Gemeinschaftsausstellungen

2017   NACHLESE 5 zum Brandenburgischen Kunstpreis 2017

            Rathaus Hoppegarten

            13 Künstlerinnen zeigen Malerei und Plastik

2017    geritzt, gedruckt, geklebt, gemalt

             buchladen und antiquariat in Fürstenwerder Uckermark mit

             Petra Alscher

2017     MORD IM MUSEUM

              Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe

2016       INTERNATIONALES KUNSTPLEINAIR

                Ausstellung im Kulturhaus in Miedzyrzecz / Polen

2016     "Metropolis"

               Museo Casa Xilogravura, Avenida Eduardo Moreia da Cruz 259,Campos do Jordäo,

               Stato di Sao Paulo, Brasilien

2016      "INSPIRATION"

              Galerie der Sozialkasse des Berliner Baugewerbes, Lückstr. 72/73, 10317 

2015      "METROPOLIS"

            -  Druckwerkstatt im Kulturwerk des bbk-berlin

            -  Italien, USA

2014      "8. Miniatur in der bildenden Kunst "DEM GEDRUCKTEN BUCHE"

              Fürstenwalde

2014      " 20. Kunstausstellung NATUR - MENSCH"

              Nationalparkgemeinde Gemeinde Sankt Andreasberg

2012      "Brandenburger Kunstpreis der MOZ"

              Neuhardenberg